Die neue vereinseigene Publikation "Von Aposteln bis Zionisten: Religiöse Kultur im Leipzig des Kaiserreichs" ist im August 2010 erschienen. Sie kann für 25 € im Buchhandel oder direkt beim diagonal-Verlag www.diagonal-verlag.de bestellt werden.
Das populärwissenschaftliche, illustrierte Buchprojekt legt historische Wurzeln der religiösen Pluralität in Leipzig frei. Um die Wende zum 20. Jahrhundert bot das wohlhabende und prosperierende Leipzig als Zentrum des deutschen Druck- und Verlagswesens, als internationale Handelsdrehscheibe und als Ort der neben Berlin und München bedeutendsten deutschen Universität ein attraktives Umfeld für die Rezeption und Verbreitung neuen Gedankengutes. So hatte etwa die Deutsche Theosophische Gesellschaft, aus der 1912 die Anthroposophische Gesellschaft des Begründers der Waldorfpädagogik Rudolf Steiner hervorging, um die Jahrhundertwende ihren Hauptsitz in Leipzig. Der deutsche Monistenbund wurde von dem Leipziger Chemiker und Nobelpreis-träger Wilhelm Ostwald gelenkt. 1903 wurde im Gebäude Markt 9 mit dem “Buddhistischen Missionsverein für Deutschland” die erste buddhistische Gemeinde außerhalb Asiens gegründet. An prominenter Stelle sind jedoch auch die Aktivitäten der Leipzigerin Louise Otto-Peters’ zu nennen, welche zur Gründung des ersten überregionalen deutschen Frauenvereins 1865 führten, mit dem die deutsche Frauenbewegung ihren Anfang nahm. Darüber hinaus war Leipzig ein Zentrum diverser lebensreformerischer Bewegungen wie der der Vegetarier, der Feuerbestatter oder der Naturheilkundler. Zu Erinnern sind auch die zahlreichen Aktivitäten der großen jüdischen Gemeinde, die das kulturelle Leben der Stadt wesentlich beeinflussten. Andererseits sind jedoch die völkischen Vorläufer nationalsozialistischen Gedankenguts (z.B. Theodor Fritsch und der Hammer-Verlag) ebenso wenig zu vergessen.
Die genannten von Leipzigern getragenen Gemeinschaften und Gruppen waren häufig Ideengeber und Vorreiter später einsetzender einschneidender Veränderungen nicht nur der deutschen, sondern der gesamten abendländisch-westlichen Kultur, die bis in die Gegenwart wirken. Deshalb hat sich re.form leipzig e.V. die Aufgabe gestellt, mittels einer illustrierten populärwissenschaftlichen Publikation den interessierten Bürgern der Stadt Zugangswege zu dieser religiös-kulturellen Vergangenheit Leipzigs zu eröffnen.
Auszug aus dem Inhalt:
Sehnsucht nach Palästina - Zionismus in Leipzig (Jeannine Kunert)
"Dem Evangelium die Treue halten" - Der Gustav-Adolf-Verein um 1900 (Anne Roeser)
Das Königreich Sachsen und seine neuen Apostel: Die Neuapostolische Gemeinde (Dirk Schuster)
Zwischen Heiland, Papst und Kaiser – Katholisches Leben in Leipzig (Kirsten Bröcker)
Von "wahrhaft emanzipierter Weiblichkeit" und antipäpstlichen Deutschkatholiken – Louise Otto Peters, Robert Blum und bewegte Zeiten um 1845 (Carolin Kosuch)
Der "Sorgenbrecher" Alkohol, neue Männlichkeit und weibliche Fürsorge: Die Abstinenzbewegung (Iris Edenheiser)
100 Jahre Kremation in Leipzig: Die Einführung der Feuerbestattung (Annett Saupe)
Eine Erlöserin mit Schnurrbart: Daniel Paul Schrebers religiöse Offenbarungen (Alexander van der Haven)
Atemtechniken, Darmbäder, Vegetarismus: Erlösung nach Mazdaznan (Johannes Graul)
Von Aurenforschung und Reinkarnation: Die Theosophen (Bernadett Bigalke)
"Einst suchte ich in der Welt das Glück…": Buddhisten in Leipzig von 1903 bis 1921 (Jacob Tischer)
Rassenwahn und Germanenkult - Die Völkische Bewegung (Sandra Groß)
Antisemitische Hetzpropaganda aus Leipzig - Theodor Fritsch und der Hammer (Petra Klug)
"Der Stein der Freiheit": Zum Bau des Völkerschlachtdenkmals zwischen sakralem Nationalismus und Freimaurerei (Sebastian Schüler)